
Warum Nacken und Schultern im Winter schlimmer werden
Warum Nacken und Schultern im Winter schlimmer werden
Von Lukas Wiesflecker | SEWA Wellness Kufstein
Es gibt eine Jahreszeit, in der sich die Anfragen häufen. Sie beginnt Mitte Oktober und hört im März wieder auf.
Der Satz klingt fast immer gleich: „Im Sommer war das nicht so schlimm.”
Das ist keine Einbildung. Es gibt mehrere Dinge, die im Winter gleichzeitig auf deinen Nacken einwirken — und keines davon fällt dir auf, während es passiert.
Was bei Kälte tatsächlich mit dir passiert
Du ziehst die Schultern hoch, ohne es zu merken
Das ist der größte Faktor und der unauffälligste.
Wenn du in die Kälte gehst, zieht dein Körper reflexhaft die Schultern nach oben und den Kopf ein. Das ist eine Schutzhaltung — sie verkleinert die Oberfläche, über die Wärme verloren geht.
Das Problem ist nicht die Bewegung. Das Problem ist die Dauer.
Vom Auto zur Haustür sind das dreißig Sekunden. Aber du machst das zwanzig Mal am Tag, jeden Tag, von Oktober bis März. Der Trapezius — der Muskel, der vom Nacken über die Schulter zieht — arbeitet in dieser Haltung dauerhaft gegen die Schwerkraft.
Nach ein paar Wochen ist das keine Haltung mehr. Es ist dein neuer Normalzustand.
Die Durchblutung verlagert sich nach innen
Bei Kälte verengen sich die Gefäße in der Peripherie. Dein Körper holt die Wärme aus Armen, Beinen und oberflächlicher Muskulatur zurück in den Rumpf, um die Kerntemperatur zu halten.
Das ist sinnvoll und lebenswichtig. Es bedeutet aber auch: Die Muskulatur, die dir Probleme macht, bekommt bei Kälte weniger ab als im Sommer.
Der Körper erzeugt Wärme über Muskelspannung
Bevor du anfängst zu zittern, passiert etwas Leiseres: Der Grundtonus der Muskulatur steigt. Leichte Dauerspannung erzeugt Wärme.
Wieder: physiologisch sinnvoll. Aber ein Muskel, der ohnehin überlastet ist, wird dadurch nicht lockerer.
Du bewegst dich schlichtweg weniger
Im Sommer gehst du nach der Arbeit noch eine Runde. Im Winter fährst du heim, machst es warm und setzt dich hin.
Das ist völlig normal. Es heißt nur: Der natürliche Ausgleich, der im Sommer nebenbei passiert, fällt weg.
Der Tiroler Zusatzfaktor
Hier kommt etwas dazu, das in einem Ratgeber aus Hamburg nicht steht.
Das Lenkrad. Wer im Winter über den Brenner, durchs Inntal oder auf einer eisigen Landstraße fährt, hält anders. Angespannte Schultern, hochgezogene Arme, angehaltener Atem in der Kurve. Eine Stunde Winterfahrt kostet den Nacken mehr als drei Stunden im Sommer.
Schneeschaufeln. Eine Bewegung, die du elf Monate im Jahr nicht machst — und dann zwanzig Minuten am Stück, meist ohne Aufwärmen, meist früh morgens, meist in gebückter Rotation.
Der Skitag. Vorlage in den Schuhen, Rumpf unter Dauerspannung, Arme oben. Und dann acht Stunden Auto-Lift-Piste-Hütte. Dazu habe ich hier ausführlicher geschrieben — kurz gesagt: Der dritte Tag ist der entscheidende, nicht der erste.
Der Temperaturwechsel. Überheiztes Büro, dann minus fünf Grad auf dem Parkplatz, dann wieder überheizte Wohnung. Dein Gewebe macht diesen Wechsel zwanzigmal am Tag mit.
Warum Dehnen allein wenig ändert
Fast jeder versucht es zuerst. Kopf zur Seite neigen, dreißig Sekunden halten, andere Seite. Fühlt sich kurz gut an.
Zwei Stunden später ist es wieder da.
Das liegt daran, dass Dehnen den Muskel verlängert, aber nicht die Ursache berührt. Wenn der Trapezius zwanzigmal am Tag in Schutzhaltung geht, hilft es wenig, ihn abends einmal zu ziehen. Du behandelst das Symptom im Zwei-Stunden-Takt.
Dazu kommt: Nacken und Schulter hängen nicht isoliert da. Die Kette läuft über die Brustwirbelsäule, die Rippen, den Brustkorb bis in die Hüfte. Wer den ganzen Tag zusammengezogen sitzt, hat oft gar kein Nackenproblem — sondern einen Brustkorb, der sich nicht mehr öffnet, und einen Nacken, der das ausgleichen muss.
In der Thai Massage arbeitet man deshalb nicht an einem Muskel, sondern entlang von Linien. Die Sen-Linien laufen über mehrere Gelenke hinweg. Das ist der Grund, warum die Arbeit oft an Stellen ansetzt, die mit deinem Schmerz auf den ersten Blick nichts zu tun haben. Mehr dazu hier.
Was tatsächlich etwas bringt
Ehrlich und in der Reihenfolge, in der ich es selbst machen würde:
Wärme, bevor der Schmerz da ist. Eine Wärmflasche im Nacken, während du fernsiehst, ist wirkungsvoller als eine Behandlung nach drei Wochen Dauerspannung. Kostet nichts.
Schal. Wirklich. Der banalste Rat in diesem Artikel und der unterschätzteste. Wenn der Nacken nicht auskühlt, entfällt ein guter Teil der Schutzhaltung.
Bewegung in die andere Richtung. Nicht dehnen — öffnen. Einmal am Tag die Brust aufmachen, Schulterblätter nach hinten unten, dreißig Sekunden. Gegen die Winterhaltung arbeiten, statt sie nachzudehnen.
Die Autofahrt bewusst machen. Sitzheizung an, bevor du losfährst. Schultern einmal bewusst fallen lassen, wenn du auf der Geraden bist. Kleinigkeit, großer Unterschied über eine Saison.
Behandlung, wenn es fest ist. Wenn der Nacken morgens schon weh tut, wenn das Drehen beim Rückwärtsfahren eingeschränkt ist, wenn es seit Wochen nicht mehr weggeht — dann ist der Punkt erreicht, an dem Selbsthilfe an ihre Grenze kommt.
Wann Massage sinnvoll ist — und wann nicht
Sinnvoll, wenn es sich um muskuläre Dauerspannung handelt: Der Schmerz ist dumpf, er wandert zwischen Nacken und Schulterblatt, er wird über den Tag schlechter, Wärme tut gut.
Nicht sinnvoll — bitte vorher abklären lassen, wenn:
Der Schmerz in den Arm ausstrahlt, mit Kribbeln oder Taubheit
Er nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten ist
Er nachts am schlimmsten ist und dich aufweckt
Fieber, Schwindel oder Sehstörungen dazukommen
Ich bin gewerblicher Masseur mit eingeschränkter Befugnis für Thai- und Wellnessmassage. Meine Arbeit dient Entspannung und Regeneration — sie ersetzt keine ärztliche Abklärung. In den Fällen oben gehört das zuerst angeschaut, bevor jemand daran arbeitet.
Wie ich im Winter damit arbeite
Für festgefahrene Nacken- und Schulterthematik nehme ich meistens Tok Sen.
Das ist die Klopfmassage aus Nordthailand, gelernt im Silbertempel Wat Sri Suphan in Chiang Mai. Gearbeitet wird mit Holzhammer und Keil entlang der Linien — die Vibration geht tiefer, als man mit Daumendruck kommt, und sie geht dorthin, wo Gewebe seit Wochen nicht mehr in Bewegung war.
Der praktische Vorteil im Winter: Tok Sen funktioniert bekleidet, auf der Matte, in deinem warmen Wohnzimmer. Du musst dich nicht ausziehen und danach nicht in die Kälte.
Wenn die Verspannung eher großflächig ist und die ganze Rückenkette betrifft, passt der Body Reset besser — traditionelle Thai Massage über 90 Minuten mit passiven Dehnungen. Bei sehr trockener Winterhaut und starker Muskelermüdung ist oft die Ölmassage die bessere Wahl.
Was zu dir passt, klären wir in zwei Minuten vorher. Ich verkaufe dir keine Behandlung, die dein Problem nicht trifft.
Kurz gefasst
Dein Nacken wird im Winter nicht schlechter, weil du älter wirst. Er wird schlechter, weil vier Dinge gleichzeitig passieren: Du ziehst reflexhaft die Schultern hoch, die Durchblutung verlagert sich nach innen, der Grundtonus steigt, und der natürliche Ausgleich durch Bewegung fällt weg.
Das meiste davon kannst du selbst abfedern — mit Wärme, einem Schal und einer Minute Öffnung am Tag.
Wenn es trotzdem festsitzt, komme ich zu dir. Ins warme Wohnzimmer, mit Matte und Equipment, ohne dass du danach nochmal raus musst.
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Lukas Wiesflecker arbeitet mobil im Raum Kufstein, Ebbs, Wörgl und Kiefersfelden. Über 2.000 Stunden Ausbildung in Thailand, Nepal und Indien — unter anderem Wat Pho Bangkok und Wat Sri Suphan Chiang Mai. Gewerblicher Masseur (eingeschränkt), GISA 38932519/1-2025, Mitglied der WKO Tirol. Mein Weg.





